City-Hof: Status quo

City-Hof: Status quo

Die Freie und Hansestadt Hamburg – vertreten durch Finanzbehörde sowie Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) – und der Investor AUG. PRIEN planen weiterhin die Privatisierung des City-Hofs und die Neubebauung des Areals. Dabei geben sie sich viel Mühe, möglichst wenige Informationen aus dem Verfahren mit dem klangvollen Namen „Quartier am Klosterwall“ nach außen dringen zu lassen. So wurde die für den 1. Juni angekündigte öffentliche Endpräsentation der Entwürfe des städtebaulich-hochbaulichen Wettbewerbs kurzfristig abgesagt und als Alternative eine Ausstellung der Arbeiten am 30. Mai angekündigt. AUG PRIEN und BSW ließen diese Planänderung vom wettbewerbsleitenden Büro D&K drost consult mit einer „noch viel besseren Beteiligungsmöglichkeit“ der Bürger*innen begründen.

In einer Pressemitteilung informierten wir die Öffentlichkeit über diesen Vorgang und formulierten unsere Kritik an dem Verfahren. Nachdem u.a. das Hamburger Abendblatt darüber berichtete, ruderten die Verantwortlichen zurück und ließen die Entwürfe ausstellen und von den Architekturbüros vorstellen. Nachdem die interessierten Bürger*innen eine Geheimhaltungserklärung unterschrieben hatten, konnten sie zuerst schriftlich Anmerkungen zu den ausgestellten Entwürfen machen und nach der Präsentation der Arbeiten sogar Fragen zu diesen stellen. Mal abgesehen davon, dass eine umgekehrte Reihenfolge sinnvoller gewesen wäre, fragen wir uns, was das alles überhaupt mit Bürgerbeteiligung zu tun haben sollte.

Einen Tag nach der Präsentation, kürte die mit größtenteils befangenen Personen besetzte Jury den Entwurf vom Hamburger Architekturbüro KPW zum Sieger des Wettbewerbs. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) zeigte sich auf der Pressekonferenz zwar überzeugt von dem Ergebnis, sagte aber auch, dass die Entscheidung des Preisgerichts keinen Abschluss bildet, „sondern der Startschuss für eine hoffentlich fruchtbare Diskussion in der Stadt ist“, wovon die Presse mit Ausnahme von NDR.de leider keine Notiz nahm. Einen ganzheitlichen sowie reflektierten Bericht gab es vom Online-Architekturmagazin BauNetz. Ansonsten berichteten u.a. Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost und Hinz&Kunzt über den Siegerentwurf des Wettbewerbs und u.a. Elisabeth Jessen, Gert Kähler und Claas Gefroi kommentierten diesen.

Genauso schlecht wie die „Beteiligungsmöglichkeiten“ im Mai und Juni wurde eine öffentlichen Ausstellung aller Beiträge (1. und 2. Phase) des städtebaulich-hochbaulichen Wettbewerbs vom 12. bis 21. Juli beworben. Bei der Eröffnung am 11. Juli waren die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft somit fast unter sich. Wir haben Mäuschen gespielt und wie es zu erwarten war, hat Oberbaudirektor Jörn Walter, der am selben Tag bei einem Senatsempfang aus seinem Amt verabschiedet wurde, noch einmal erbittert für den Neubau anstelle des City-Hofs geworben.

Doch nicht alles lief wie erwartet ab. Als nach der Vorstellung der Arbeiten noch Fragen zugelassen wurden, erhob ein Vertreter des zweitplatzierten Architekturbüros von Rafael Moneo schwere Vorwürfe gegen die Jury des Wettbewerbs. Diese habe nicht die beste Lösung für das Weltkulturerbe durchgesetzt, sondern „mit der Auswahl des Siegerentwurfs den Interessen des Investors in zu großem Maß Rechnung getragen“. Zwei Tage später war von den Vorwürfen auch im Hamburger Abendblatt zu lesen. Das Misstrauen können wir gut verstehen, da dem Verfahren von Anfang an die notwendige Transparenz fehlt und weil das Architekturbüro KPW den Investor AUG. PRIEN seit der ersten Ausschreibung des City-Hofs im Jahre 2012 in dieser Sache betreut und sie gute Beziehungen zu den Jurymitgliedern aus der Hamburger Politik sowie Verwaltung pflegen.

Aber nun zum Status quo: Mit der Entscheidung des Wettbewerbs wurde nicht zugleich über die Zukunft des City-Hofs entschieden. Aktuell überarbeitet KPW den Siegerentwurf, vor allem hinsichtlich seiner Höhe. Auf Grundlage der überarbeiteten Pläne muss dann die UNESCO beurteilen, ob diese das Kontorhausviertel gefährden würden und das Denkmalschutzamt entscheiden, ob sie die Qualität aufweisen die den Abriss des denkmalgeschützten City-Hofs rechtfertigt. Über beide Fragen muss vorher noch öffentlich gestritten werden, wie es sich Senatorin Stapelfeldt wünschte. Mit dem überarbeiteten Siegerentwurf für einen Neubau gibt es auch endlich eine vernünftige Diskussionsgrundlage, die dem Entwurf von gmp Architekten gegenübergestellt werden kann.

Unserer Meinung nach würde der Neubau das Kontorhausviertel gefährden, selbst wenn er viel niedriger ausfällt, als es die Architekten mit ihren Wettbewerbsbeitrag vorgeschlagen haben. Er würde seine Nachbargebäude vielleicht nicht übertrumpfen, aber mit seinem rund 200 Meter langen geschlossenen Blockrand den Blick auf das Weltkulturerbe nahezu vollständig verstellen. Einen „noblen Eingang in die Innenstadt“, wie ihn Oberbaudirektor Walter in dem Siegerentwurf sehen will, sehen wir nicht. Eher eine ordinäre Stadtmauer. Einen Eingang in unsere Stadt stellen wir uns offener und einladender vor. So wie er sich aktuell mit dem City-Hof darstellt. Alle Argumente, die bisher bemüht wurden, um den Abriss des Denkmals zu legitimieren, überzeugen uns nicht. Eine Sanierung des City-Hofs ist technisch und wirtschaftlich möglich. Der beste Entwurf wurde vor rund 60 Jahren mit vier Hochhäusern und verbindender Ladenpassage als moderner Abschluss des Kontorhausviertels realisiert. Diesen gilt es nun zu revitalisieren, zu erhalten und zu pflegen. Nicht nur aus kulturellen, sondern auch aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Gründen.

(Bild und Text: City-Hof e.V.)

Posted on: 27/09/2017Marco Alexander Hosemann

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